BUDDHA AN DER BAR

Während die einen Konkurs anmelden, expandieren die anderen. Er gehört zu den anderen: Raymond Visan, Gründer der legendären Buddha-Bar in Paris. Bei ihm dinieren Bill Clinton und Madonna. Seine „Buddha-Bar“-CD’s sind Bestseller. Ein perfektes Cross-Marketing-Konzept? „Marketing is bullshit“, meint der Erfolgreiche und weitet sein Imperium aus. Ein Einblick.

Am linken Tisch erzählt eine junge Schönheit ihrem alten Begleiter von einer großen Shopping-Tour. Die edle Rue du Faubourg St. Honoré mit Chanel, Versace und Hermés liegt schließlich gleich um die Ecke. Am Tisch rechts daneben erschrecken zwei Schweden über ihre Rechnung, gleichzeitig sind sie froh, überhaupt einen Platz in der legendären Buddha-Bar bekommen zu haben. Am Eingang formt sich eine lange Schlange. Wie jeden Abend. Touristen, die sehen wollen, wo Paris besonders hipp ist, haben nur eine Chance: Sie müssen sehr früh vor Ort sein und sie dürfen keine Shorts tragen. Später erscheinen Models, Schauspieler und Werber. Sie essen und trinken zu Füßen eines goldenen Buddha. Er thront am Ende des Lokals. Coole rhythmische Klänge füllen den Raum um ihn. Es wird serviert: Thunfisch im Sesam-Mantel, Meeresfrüchtesalat, sehr scharf. Asien inspiriert die Küche. Anders als der Name vermuten lässt, ist die Buddha-Bar mehr als eine Bar. Sie ist eine Kombination aus Bar, Restaurant und Musiktempel, doch vor allem ist sie ein Beweis, wie erfolgreich Marketing in der Gastronomiebranche sein kann – oder wie überflüssig.

„Marketing ist Bullshit“, sagt Raymond Visan und verschränkt seine kräftigen Arme vor dem Bauch. Am rechten Handgelenk glänzen schwere silberne Armreife, am linken blitzt eine Rolex. Vor zehn Jahren hatte er keine Ahnung vom Gastro-Gewerbe. Jetzt gehören ihm die vier erfolgreichsten Bars und Restaurants von Paris: Buddha-Bar, B*fly, Barrio Latino und le Barlotti. Er vereint sie unter dem Dach seiner Firma „George V Restauration“. 450 Menschen arbeiten für ihn. Paris ist erobert. Jetzt will Visan expandieren......

„Werbung ist gut, wenn sie Autos verkaufen wollen. Wir machen kein Marketing, keine Marktforschung, keine Werbung und keine Pressearbeit. Wenn sie ein großartiges Produkt haben, dann stellt sich der Erfolg von alleine ein. Die Mundpropaganda arbeitet für sie“, behauptet Visan. Das klingt souverän, stimmt aber nicht ganz. Für jedes einzelne seiner Unternehmen entwickelt Visan eine eigene Markenwelt. Passend dazu lässt er Soundtracks produzieren. So hat jedes Etablissement eine CD-Kollektionen, egal ob es sich um das schicke italienische Restaurant Barlotti oder den südamerikanischen Tanz- und Restaurant-Tempel „Barrio Latino“ handelt. Das Konzept zahlt sich aus und die CD’s werden nicht nur in den Bars, sondern weltweit in Plattenläden angeboten.

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Der Mann hinter den Konzepten agiert intuitiv. Er vertraut seinen Visionen und sagt: „Mein Glück ist es, Ideen zu haben.“ Seine Inspiration findet er in Filmen. Am liebsten geht er vormittags allein in New York ins Kino, dann wenn noch niemand geräuschvoll Popcorn isst. In Paris greift er auf seine eigene Film-Kollektion zurück. Sie zählt rund 8000 Titel. Bei so viel Anregung, ist die nächste Idee nicht weit.

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Außerdem machten viele den Fehler auf Trends zu setzen, während sich Visan nach eigenen Worten nicht für Trends interessiert, sondern für die Persönlichkeit von Restaurants. Sie entscheide über Erfolge. Ebenso wie Qualität und Kontinuität. Um sie zu prüfen, diniert der Chef fast jeden Abend in einem seiner Lokalitäten. Dort, wo die junge Schönheit, ihr alter Begleiter und die zwei Schweden Platz für die nächsten machen. Wahrscheinlich kaufen sie sich auf ihrem Weg die neuste Buddha-Bar CD. Die Merchandising-Ecke im Eingangsbereich.