„SIE SIND FLEIßIG, SEHR, SEHR FLEIßIG.“

Er spricht aus, was deutsche Unternehmer denken:
Prof. Brun-Hagen Hennerkes

Seit gut 40 Jahren befasst er sich mit dem Typus Familienunternehmen und gilt als führender Experte. Brun-Hagen Hennerkes ist Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, die er 2002 ins Leben gerufen hat.

Herr Professor Hennerkes, wie beurteilen Sie die Rahmenbedingungen für Familienunternehmen?
Prof. Brun-Hagen Hennerkes: Insgesamt ist unser Land in einer guten Situation und der Export zieht an. Gleichzeitig kämpfen Unternehmer mit Schwächen im System. Im Vergleich zu anderen EU-Staaten haben wir deutliche Nachteile im Bereich Steuern, Bürokratie, Arbeitskosten und Infrastruktur. Auf den Straßen, bei der Bahn und im Flugverkehr, überall gibt es Engpässe. Das steht unserem Wachstum im Wege.

Immer häufiger taucht unter Experten die Frage auf, wie Wachstum in Zukunft definiert werden muss. Worauf stellen Sie sich ein?
Wir müssen uns von der Art und Weise verabschieden, wie wir in der Vergangenheit gelebt haben, weil die Voraussetzungen heute anders sind. Die Qualität des Wachstums wird immer entscheidender. Es darf nicht um das schnelle Geld gehen, stattdessen muss eine gesunde Weiterentwicklung das Ziel sein. Ohne die können wir unsere Position auf den internationalen Märkten nicht verteidigen und ausbauen. Wir haben mehr als 1200 Weltmarktführer unter den deutschen Familienunternehmen, die brauchen zusätzliche Gewinne, um in die Zukunft investieren zu können. Länder wie China, Russland und Indien gefährden unsere Marktsegmente.

Wo sind die Deutschen im Vorteil?
Beim Humankapital. Wir haben hervorragenden Mitarbeiter und Führungskräfte. Familienunternehmen positionieren sich als attraktive Arbeitgeber und haben viel vom systematisierten Personalmanagement der Großkonzerne gelernt, weil sie zunehmend Leute brauchen, die wissen, wie man Firmen in China anfasst.

Während der Eurokrise haben Familienunternehmen im Gegensatz zu Großkonzernen ihre Mitarbeiter gehalten. Wie erklären Sie das?
Mit großem Verantwortungsbewusstsein und Weitsicht: Die Unternehmer haben die Krise genutzt und sich auf die Zukunft vorbereitet. Anstatt Mitarbeiter zu entlassen, haben sie diese geschult, Systeme überprüft und Produktpaletten verbessert, weil sie langfristig und nachhaltig agieren. Das war schon immer so.

Sind Familienunternehmer die besseren Manager?
In Großkonzernen arbeiten auch sehr tüchtige Leute, aber die stehen unter dem gewaltigen Druck der Börse. Oft sind kurzfristige Strategien und Konzepte die Folge. Dax-Vorstände wechseln in der Regel nach vier bis sechs Jahren den Posten. Familienunternehmer bleiben und stehen für ihre Entscheidungen ein. Sie alle verbindet eine Haltung: Was du erbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen. Familienunternehmer haben schon immer nachhaltig gearbeitet. Persönliche Bereicherung kommt so gut wie nie vor.

Sie kennen viele Unternehmerpersönlichkeiten. Welche Parallelen sehen Sie bei den Charakteren?
Sie sind sparsam, sie motivieren ihre Mitarbeiter durch das persönliche Vorbild und vor allem sind sie fleißig, sehr, sehr fleißig. Es sind konservative Werte, mit denen Familienunternehmer von frühester Jugend an geprägt wurden. Das hat viel mit der Geschichte und Ausbildung ihrer Väter zu tun: Die meisten Familienunternehmen sind nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden und die Gründer waren überwiegend Ingenieure und Techniker, die neue Produkte erfunden haben.

Diese Gründer haben „Made in Germany“ als Gütesiegel geprägt. Wie viel Zugkraft hat es noch?
Enorm viel! Es hat allergrößte Bedeutung, genauso wie unsere Meistertitel im Handwerk. Wir sind ein rohstoffarmes Land und müssen nutzen, was wir haben. Dazu gehört „Made in Germany“.